in der abenddämmerung
fuhr ein jeep auf ein ländliches gehöft
und der hofhund nutzte wohl die ‘minute des offenen tores’,
kam herausgeschossen und stürzte sich auf lisa.
zuerst war es mehr die ahnung eines schattens
der an den zaunslatten entlang raste.
einen moment später sah ich das massige tier
sich in meine treue begleiterin verbeissen, in einer agressivität,
die zwischen rüde und hündin eher ungewöhnlich ist ..
ich hatte mühe, ihn von ihr los zu reissen,
auch soetwas muss man wohl ‘vorher’ mindestens einmal trainiert haben.
nur kurzzeitig gelang es mir das kräftige tier zu fassen,
ich konnte kein halsband spüren und das fell war dicht und glatt.
alles ging so schnell, die beiden bewegten sich wie rasend.
anbrüllen, wegsstossen, mit den fäusten schlagen gar,
als letztes mittel, die schwelle zu überschreiten, ein tier zu treten,
bis ich mich dazu durchringen konnte, verging zu viel zeit.
ich fühlte mich so hilflos .
mir fiel das halbvolle pfefferspray ein,
welches ein paar tage zuvor
irgendwo am wegesrand von uns gefunden worden war,
aus einer der jackentaschen klaubte ich es,
und entleerte die dose in richtung des angreifers,
jedoch ohne die erhoffte wirkung ..
ich wollte die bestie auf mich ziehen,
als ich lisa schon wie im todeskampf jaulen hörte.
dieser rüde musste einen tierischen frust haben,
vielleicht weil er kaum je über seinen gartenzaun hinaus kam.
womöglich kennen auch hunde hass, neid und missgunst,
und er hatte uns möglicherweise einmal zu oft
dort auf dem feldweg vorbei trotteln sehen,
lisa dabei frei und ungebunden.
oder weiss der teufel,
wer ihn einmal schlecht behandelt hatte.
vielleicht hatte er sich zu eine art frauenhasser entwickelt,
einem ähnlich merkwürdigen rüden waren wir schon einmal begegnet,
gibt es gar mehr ‘frauenmörder’ im hunde-milieu als unter uns menschen ?
die dauer des kampfes erschien mir wie eine ewigkeit.
als sich lisabefreien konnte befreien und die flucht ergriff,
sie lief über die wiesen in die dunkelheit,
das war ihre stärke und chance ..
der schäferhund setzte hinterher,
ich glaubte, sie sei schwer verletzt
und mir schwante, er würde sie töten.
so brüllte ich mich heiser,
bis endlich auch der besitzer von dem gehöft herbeikam
und seinen hund zurück pfiff ..
wenigstens schien das beisswütige tier vor menschen respekt zu haben,
der mann fuhr nochmals mit dem jeep heraus und half, lisa zu suchen,
indem er die wiesen ableuchtete,
er entschuldigte sich und „konnte sich das alles gar nicht erklären“.
endlich gelang es mir, das aufgeregte tier wieder zurückrufen und beruhigen.
so hatte ich lisa noch nie zittern sehen.
irgendwie fühlte sich ihr fell nass an,
meine hände glänzten bald schwarz in der dunkelheit.
in diesem moment dachte ich, sie würde verbluten ..
aber es war dann doch nicht so schlimm,
der mann meinte schliesslich, ich wüsste ja, wo ich ihn finden könnte,
„falls noch etwas sei“ und entfernte sich ..
ich brachte lisa nach hause,
wusch sie unter dem warmen duschstrahl
und versorgte ein paar fleischwunden ..
gottseidank waren diese nur oberflächlich,
und weniger gefährlich als zuerst angenommen.
sie kuschelte sich schliesslich in ihren korb
und überschlief das abenteuer.
auch sie hatte wieder etwas gelernt.
ich betrachtete sie mitfühlend
und ahnte einmal mehr,
wie wut und hass und krieg entstehen,
rachegedanken keimten in mir auf ..
der eingefleischte pazifist der dritten stunde
sehnte sich plötzlich danach, eine 180 mm haubitze
beim ‘waffenhändler des vertrauens’ zu erstehen ..
ich hob den telefonhörer ab
und wählte die nummer, die bunt von einer visitenkarte leuchtete,
die mir kürzlich auf dem markt in der innenstadt jemand zugesteckt hatte
und welche ich eigentlich hätte wegwerfen sollen.
„challo, chier dragan dschindschitsch, was chann ich fürrr sie tuunn ?!“
meldete sich überfreundlich die stimme des serbischen händlers,
der kürzlich sein domizil in der nachbarschaft aufgeschlagen hatte ..



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